Schriftzug Saalemühle + Dresdener Mühle

Sep 22, 2010Pressemitteilung der Saalemühle Alsleben GmbH

Die Getreideernte 2010 ist buchstäblich ins Wasser gefallen. Der wochenlange Regen hat den Bauern und damit den Mühlen ein sehr schwieriges Erntejahr beschert. Wir können von der schlechtesten Ernte seit Jahrzehnten sprechen. Schon die Bauern mussten mit den insgesamt in Deutschland geernteten Mengen empfindliche Einbußen hinnehmen, die Qualität des geernteten Brotgetreides stellt sich für die Mühlen jedoch katastrophal dar.

Wir werden in diesem Jahr mit extremen Schwankungen in der Qualität des Getreides konfrontiert. In einigen Regionen hat es akzeptable Ergebnisse gegeben, in anderen sind Totalausfälle zu verzeichnen. Fast überall ist der Schmachtkornanteil hoch. Für uns als Mühle bedeuten die kleinen Körner bei gleichzeitig erhöhten Mineralstoffgehalten eine schlechtere Ausbeute an hochwertigem Mehl bei der Vermahlung.

In Deutschland werden voraussichtlich rund 23,8 Millionen t Weizen und 2,8 Millionen t Roggen geerntet. Die Brotgetreideernte ist damit um 10 Prozent niedriger ausgefallen als im Jahr zuvor. In normalen Jahren sind weit über 90 Prozent der Brotgetreideernte mühlenfähig und die Mühlen können die besten Partien auswählen.

Zur Ernte 2010 ist fraglich, ob die heimische Landwirtschaft überhaupt genügend mühlenfähiges Getreide wird zur Verfügung stellen können. Für Sachsen-Anhalt schätzen wir einen Anteil von lediglich 30 Prozent backfähigem Getreide an der Gesamternte von Weichweizen und Roggen (2010: 2,58 Millionen t Brotweizen, 365.300 t Roggen). Damit steht uns aus der Region eine drastisch kleinere Menge an Brotgetreide zur Verfügung als üblich.

Die Mühlen müssen einen enormen Aufwand treiben, um aus den angebotenen Partien die geeignete Ware herauszufiltern. In normalen Jahren können die Landwirte große homogene Partien anbieten, in diesem Jahr gibt es diese homogenen Partien selbst in den besten deutschen Anbaugebieten für Qualitätsgetreide in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen nicht. Der hochselektive Prozess bedeutet für uns einen gewaltig erhöhten Kostenblock.

Getreidemärkte zur Ernte 2010

Die Getreidemärkte entwickeln sich zur Ernte 2010 dem Wetter folgend sehr turbulent: Den sehr kalten und langen Winter haben die Getreidebestände erstaunlich gut überstanden. Mitte Juni sind die Aussichten auf die Ernte in ganz Europa gut. In der zweiten Juliwoche löst die Hitzewelle dann aber eine regelrechte Rallye auf den Getreidemärkten aus: Es gibt erste Hinweise auf massive Ertragseinbußen. Die Weizenkurse an der Pariser Warenterminbörse legen innerhalb von zwei Wochen um gut 20 Euro je t zu. Dann setzen Starkregen und Unwetter den bereits erntereifen Getreidebeständen stark zu und beeinträchtigen die Erntearbeiten massiv. Ende Juli erreicht der Preis für Weizen die Grenze von 200 Euro je t.

Am 5. August kündigt der russische Regierungschef, Wladimir Putin, einen Exportstopp für Getreide an. In Russland fallen große Getreideflächen dem Feuer zum Opfer. Der Preis für Weizen an der französischen Warenterminbörse erreicht mit 233 Euro je t den höchsten Stand seit 28 Monaten.

Das unsichere Erntewetter und die ausgedehnten Niederschlagsperioden ziehen sich bis Ende August und verzögern die Ernte immer wieder. Zuletzt kann selbst im Thüringer Becken und in Sachsen-Anhalt nur noch Futterweizen geerntet werden.

Die Preise für Getreide an der Pariser Warenterminbörse übersteigen den Höchststand von Anfang August zum Ende August wieder und bewegen sich seit dem auf einem sehr hohen Niveau um die 230 Euro je t. Anfang September 2009 waren es noch 125 Euro gewesen. Dies bedeutet eine Steigerung um 85 % im Vergleich zum Vorjahr.

Fazit:

Die dramatische Verteuerung der Rohstoffkosten – einhergehend mit schlechten Mehlausbeuten - und der enorm gestiegene Aufwand für die Selektion geeigneter Getreidepartien sowie eine deutlich aufwändigere Produktion führen zu drastisch höheren Kosten insgesamt und damit unweigerlich zu einer deutlichen Anpassung der Mehlpreise.